It’s the economy, stupid!

Viele Menschen hierzulande fragen sich, wie die Amerikaner die kontroverse Politik von Präsident Trump gutheißen können. Die einfache Antwort darauf lautet: Sie tun es gar nicht! Umfragen zeigen durch die Bank, dass es seit bereits Mitte März mehr unzufriedene als zufriedene Personen gibt. Laut der aktuellen, täglich aktualisierten YouGov/Economist Umfrage fiel die Zustimmung zuletzt sogar auf ein neues Tief (siehe Grafik).

Quelle: YouGov/Economist, Stand: 19.09.2025

Ein Blick auf die Bundesstaaten zeigt dabei, dass die Zustimmungswerte des Präsidenten in allen wichtigen Swing-States (Arizona, Nevada, Wisconsin, Michigan, Pennsylvania und Georgia), mittlerweile in einen negativen zweistelligen Bereich gerutscht sind (siehe Grafik).

Quelle: YouGov/Economist, Stand: 19.09.2025

Der Grund für diese sinkenden Umfragewerte ist die sich verschlechternde wirtschaftliche Lage. Schließlich ist die Entwicklung der Wirtschaft für die Wähler aktuell mit Abstand das wichtigste Thema (siehe obere Grafik), wobei Inflation eine noch bedeutendere Rolle spielt als der Arbeitsmarkt (untere Grafik). Einwanderung hat dagegen seit der Wahl deutlich an Relevanz verloren; eine durchaus schlechte Nachricht für Präsident Trump, da er seine Wählerschaft hinter diesem Thema ja stets versammeln konnte.

Quelle: YouGov/Economist, Stand: 19.09.2025

Insbesondere hinsichtlich der relevanten Themen – Inflation, Wirtschaft und Arbeitsmarkt – stellen die Wähler Präsident Trump derzeit ein besonders schlechtes Zeugnis aus (siehe Grafik). Schließlich hatte der Präsident im Wahlkampf versprochen, dass “Under my plan, incomes will skyrocket, inflation will vanish completely, jobs will come roaring back, and the middle class will prosper like never ever before, and we’re going to do it very rapidly.“1 Doch davon ist aktuell kaum etwas zu sehen.

  • Die Inflationsrate verharrt weiterhin bei 3% und in den vergangenen drei Monaten die hat sich die Teuerungsrate sogar wieder beschleunigt.
  • Die Beschäftigungszuwächse lagen in den vergangenen vier Monaten bei durchschnittlich 27.000 pro Monat, verglichen mit 168.000 im Mittel des Jahres 2024.

Diese Entwicklungen erklären auch die drastischen Maßnahmen von Präsident Trump in den vergangenen Wochen und Monaten, wie die Entlassung von Erika McEntarfer von ihrem Posten als Leiterin des Bureau of Labor Statistics (BLS). Zur Erläuterung: das BLS ist die Statistikbehörde, welche sowohl den monatlichen Arbeitsmarktbericht als auch die Inflationsdaten veröffentlicht. Trump entließ McEntarfer Anfang August nach Veröffentlichung eines schwachen Arbeitsmarktberichts. Auch der Druck auf die US-Notenbank, insbesondere der versuchte Rausschmiss von Gouverneurin Lisa Cook Ende August, passt in dieses Kalkül. Da die Steuersenkungen bislang noch nicht den erhofften wirtschaftlichen Schub gebracht haben, benötigt die US-Regierung jede Hilfe, die sie bekommen kann – auch in Form niedrigerer Zinsen. Zudem versucht der Präsident auf diese Weise, die Schuld des ausbleibenden Wirtschaftswunders auf andere zu schieben. Allerdings zeigen diese Umfragen, dass dieser Versuch bislang nicht den erhofften Erfolg gebracht hat. Und mit der Inflation als vorherrschendem Problem könnte die Untergrabung der Unabhängigkeit der Fed mittelfristig zum Boomerang werden.

Quelle: YouGov/Economist, Stand: 19.09.2025

Ob all das vielleicht bereits bei den Midterm elections zu einem Politikwechsel führt, ist jedoch mehr als fraglich. Zwar liegen die Demokraten in landesweiten Umfragen mit etwa drei Punkten vorne, allerdings lässt sich aufgrund des speziellen Wahlsystems der USA daraus noch längst nicht ableiten, dass sie die Wahl auch gewinnen. Das gilt insbesondere für den wichtigen Senat. Nach Schätzungen von Race to the White House beträgt die Chance, dass die Republikaner bei den kommenden Wahlen ihre Mehrheit im Senat behalten bei 64%. Die Demokraten müssen also endlich aufwachen, die letzte Wahlniederlage abschütteln und sich mit einer neuen Identität, frischen Ideen und charismatischen Köpfen ihren Wählern präsentieren. Unterstützung liefert dabei aller Voraussicht nach Trumps Wirtschaftspolitik.

Quelle: Race to the WH, The 2026 Senate Forecast, Stand: 18.09.2025
  1. Speech: Donald Trump Accepts the 2024 GOP Nomination for President in Milwaukee – July 18, 2024, Link. ↩︎

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