Gestern wurden in Stockholm der Wirtschaftsnobelpreis vergeben. Der Preis ging an die Ökonomen Joel Mokyr, Philippe Aghion und Peter Howitt. In ihren grundlegenden Arbeiten haben sie gezeigt, wie Innovationen und technologischer Fortschritt zu nachhaltigem Wachstum führen (eine gute zusammenfassende Erklärung der Royal Swedish Academy of Sciences gibt es hier: „From stagnation to sustained growth“).
Das Timing der Ehrung hätte kaum besser sein können. Und je mehr ich darüber nachdenke, desto weniger kann ich mich dem Gedanken erwehren, dass das Komitee mit dieser Auszeichnung eine wichtige Botschaft an viele westliche Regierungen senden möchte – nicht zuletzt an die unsere in Berlin. Hier sind die wesentlichen Punkte aus der Erklärung der Royal Academy:
- Wirtschaftliches Wachstum beeinflusst den Lebensstandard der Bevölkerung auf vielfältige Weise. Von besseren Medikamenten über sicherere Autos bis hin zu gesünderen Nahrungsmitteln oder effizienterer Energieversorgung. Frei nach Ludwig Erhard: „Wachstum ist nicht alles, aber …“

- Die Preisträger betonen, dass man Wachstum nicht als selbstverständlich ansehen solle. Schließlich war für viele Jahrhunderte Stagnation die Norm. Das änderte sich erst mit der ersten Industriellen Revolution.

- Wachstum entsteht durch kreative Zerstörung. Innovationen führen dazu, dass ältere Produkte und Technologien durch neuere und bessere Produkte und Technologien ersetzt werden. Dadurch können bestehende Strukturen und Arbeitsweisen zerstört werden.
- Dieser Prozess bringt Gewinner und Verlierer hervor. Dies gilt sowohl für Unternehmen als auch für deren Mitarbeiter. Je höher das Wachstum, desto größer die kreative Zerstörung.
- Die Regierung sollte unterstützen, indem sie die Arbeitnehmer – nicht die Arbeitsplätze – schützt. Insbesondere gilt es den Übergang zu produktiveren Arbeitsplätzen zu erleichtern.
- Schließlich kommt der Gesellschaft eine besonders wichtige Rolle zu. Zum einen muss sie offen sein für neue Ideen und Veränderungen. Zum anderen muss sie ein Umfeld schaffen, welches Innovationen und Unternehmertum fördert. Auch hier kann und muss die Politik ansetzen, um die richtigen Anreize zu setzen.
Wenn wir die richtigen Maßnahmen nicht ergreifen, so die Royal Academy „könnte die Maschine, die uns nachhaltiges Wachstum und kreative Zerstörung gebracht hat, aufhören zu laufen – und wir müssten uns erneut an Stagnation gewöhnen. Wir können dies vermeiden, wenn wir die wesentlichen Erkenntnisse der Preisträger beachten.“ Mögen diese Worte an der richtigen Stelle erhört werden.