Prof. Dr. Harm Bandholz ist neuer Dekan

von Anna Brokmann
Link zum Artikel auf der Website der HAW Kiel vom 24.09.2026

Zunächst herzlichen Glückwunsch an Sie Professor Bandholz zur Wahl als neuer Dekan. Was hat Sie dazu bewegt, das Amt des Dekans zu übernehmen?

Die akademische Selbstverwaltung ist ein integraler Bestandteil der Hochschullandschaft. Dadurch, dass Hochschulen ihre internen Angelegenheiten in Forschung, Lehre und Studium eigenverantwortlich regeln, sind sie geschützt vor Eingriffen von außen. Außerdem wird so die demokratische Mitbestimmung aller Hochschulmitglieder ermöglicht. Umgekehrt bedeutet Selbstverwaltung aber auch, dass sich immer wieder Personen – Lehrende, Mitarbeiter*innen und Studierende – finden müssen, die diese Aufgaben erledigen.

Bei mir gab es nicht den einen spezifischen Auslöser, der mich dazu bewogen hat, mich zur Wahl zu stellen. Vielmehr war es ein über Wochen, vielleicht sogar Monate andauernder Prozess. In den zurückliegenden viereinhalb Jahren durfte ich als Prodekan des Fachbereichs Wirtschaft ja bereits viele Erfahrungen sammeln und Einblicke in die Leitung des Fachbereichs erhalten. Das war wirklich eine tolle und sehr lehrreiche (und ja, bisweilen auch sehr arbeitsreiche) Zeit. Als dann Ende letzten Jahres klar wurde, dass wir einen neuen Dekan brauchen, weil der amtierende Dekan, Marco Hardiman, nicht noch einmal kandidieren wollte, wollte ich erst einmal abwarten. Zunächst hatte ich nur darüber nachgedacht, bei einer passenden Konstellation als Prodekan weiterzumachen oder eben aus dem Dekanat auszuscheiden, um Platz für ein neues Team zu machen.

Zum Umdenken bewogen haben mich schließlich auch Anfragen von Lehrenden und Mitarbeiter*innen der Verwaltung, ob ich den Job nicht übernehmen wolle. Hinzu kam für mich dann der Wunsch, die, wie ich finde, positive Arbeit des Dekanats aus den vorherigen Jahren weiterzuführen. Entsprechend dankbar bin ich, dass meine Kollegin Saskia Bochert sich bereit erklärt hat, ihre Tätigkeit im Dekanat fortzusetzen und wir mit Klaas Ole Kürtz jemanden gewinnen konnten, der bereits in seinem ersten Jahr an der HAW Kiel den Fachbereich mit viel Einsatz und neuen Ideen extrem bereichert hat. So nahm alles seinen Lauf, und ich freue mich sehr über die positive Bestätigung durch das Wahlergebnis im Konvent.

Was reizt Sie besonders an der neuen Aufgabe?

Der Reiz besteht darin, den Gestaltungsspielraum auszunutzen, den uns die Selbstverwaltung gibt. Dabei will ich nicht verheimlichen, dass auch wir unter zunehmender Bürokratie leiden und finanzielle Engpässe verstärkt spüren. Das engt den Gestaltungsspielraum entsprechend ein. Allerdings betrifft das ja nicht nur unseren Fachbereich oder unsere Hochschule. Auch in diesem schwieriger werdenden Umfeld haben wir weiterhin die Möglichkeit, um nicht zu sagen die Pflicht, unsere Studiengänge kontinuierlich weiterzuentwickeln, unsere Ausstattungen zu verbessern und das Lehr- und Lernumfeld zu optimieren. Das ist für mich die wesentliche Herausforderung und darin steckt auch der Reiz.

Welche Ziele haben Sie sich für Ihre Amtszeit gesetzt?

Ein wichtiges Ziel ist für mich, das Ansehen der HAW Kiel und das unseres Fachbereichs weiter zu stärken – insbesondere im Vergleich zu Universitäten, aber auch zu anderen Hochschulen für Angewandte Wissenschaften. Als Relikt der Pre-Bologna Zeit werden HAW bzw. Fachhochschulen in vielen Bereichen immer noch schlechter behandelt als Universitäten; das betrifft die personelle Ausstattung aber auch die Reputation an vielen Gymnasien. Ich dagegen bin fest davon überzeugt, dass die anwendungsorientierte Lehre der HAW die große Mehrheit der Studierenden deutlich besser auf den Arbeitsmarkt vorbereitet als theorielastige Ansätze. Das gilt umso mehr im Zeitalter von KI. Die Tatsache, dass unsere Studiengänge entgegen dem allgemeinen Trend allesamt voll belegt sind, deutet darauf hin, dass bereits immer mehr Menschen diese Erkenntnis teilen. Aber da geht sicherlich noch mehr – und das beste Werbemittel für uns sind unsere Absolvierenden, wenn sie nach einem erfüllten Studium bestens vorbereitet in die Arbeitswelt entlassen werden. Das sollten wir stets gewährleisten.

Welche Themen möchten Sie im Fachbereich besonders voranbringen?

Durch die Berufserfahrung, die unsere Professoren allesamt mitbringen (müssen) ist unser Fachbereich verhältnismäßig agil. Entsprechend konnten wir in den vergangenen Jahren einige wichtige Änderungen auf den Weg bringen. So haben wir unseren größten Studiengang, den Bachelor BWL, vollständig überarbeitet und mit dem Bachelor Cybersicherheit in Kooperation mit dem Fachbereich Informatik und Elektrotechnik einen neuen Studiengang konzipiert. Zudem konnten wir einen Beirat installieren, durch den wir den Austausch mit Praxisvertretern institutionalisieren. Eine Aufgabe des neuen Dekanats wird also darin bestehen, zu schauen wie sich diese Neuerungen bewähren und gegebenenfalls Anpassungen vorzunehmen.

Das beherrschende Thema für die nächsten Jahre ist aber sicherlich der Umgang mit KI. Da geht es zum einen darum, welche Kompetenzen wir den Studierenden in diesem neuen Umfeld vermitteln müssen. Zum anderen ergeben sich potenziell notwendige Änderungen bei Lehr- und Prüfungsformen. Die Diskussion hat natürlich bereits begonnen und alleine bei uns am Fachbereich haben wir hierzu schon einige Workshops durchgeführt. Am Ende sind wir aber sicherlich nicht; schon deshalb, weil sich die Technologie so rasant weiterentwickelt. Zudem hat das Thema KI potenziell Auswirkungen auf die digitale Ausstattung der Hochschule sowie darauf, wie auslaufende Stellen von Professoren inhaltlich neu besetzt werden. Hier gilt es möglichst zeitnah die richtigen Weichenstellungen vorzunehmen.

Was möchten Sie für die Studierenden erreichen?

Das Ideal, welches wir aus meiner Sicht erreichen können, ist, dass die Studierenden später mit Freude und Dankbarkeit auf ihre Zeit an der HAW Kiel zurückschauen. Freude, weil ihnen diese Zeit Spaß gemacht hat, sie viele Freundschaften schließen konnten und schöne Erlebnisse hatten. Dankbarkeit, weil sie hier bestmöglich auf ihren späteren Beruf und Karriereweg vorbereitet wurden. Das bedeutet natürlich nicht, dass die Studierenden während des Studiums nicht auch mal auf die Lehrenden fluchen dürfen, weil es gerade alles zu viel, zu kompliziert oder zu anstrengend ist. Aber am Ende sollte klar sein, wofür man das alles auf sich genommen hat. Das, in Kombination mit der sozialen Komponente, ist für mich ein sehr erstrebenswertes Ziel.

Gibt es etwas, das Sie im Fachbereich gerne verändern oder weiterentwickeln möchten?

Ehrlich gesagt bin ich mit unserem Fachbereich insgesamt sehr zufrieden. Aber das bedeutet ja nicht, dass man sich nicht weiterentwickeln kann. Ein Punkt, der aus meiner Sicht noch ausbaufähig ist, ist die Campus-Kultur. Damit meine ich insbesondere den gegenseitigen Austausch zwischen Studierenden und Lehrenden über das Ende der eigentlichen Vorlesung hinaus. Bei der Suche nach Gründen trifft man schnell auf das Henne-Ei-Problem: ist es das mangelnde Interesse der Studierenden oder die fehlende Präsenz der Lehrenden? Die Corona-Pandemie hat sicherlich ihren Teil dazu beigetragen. Doch das sollten wir wieder ändern. Unterstützung gibt es durch unser neues Lerndock 23, durch das die Aufenthaltsqualität an der HAW Kiel bereits deutlich verbessert wurde und welches von allen Angehörigen der Hochschule dankbar und vielfältig angenommen wird.

Was möchten Sie von Ihrem Vorgänger übernehmen und wo eigene Schwerpunkte setzen?

Zunächst einmal möchte ich Marco Hardiman für die tolle Arbeit danken, die er in den vergangenen viereinhalb Jahren als Dekan geleistet hat. Wie aus meinen vorherigen Ausführungen hoffentlich deutlich geworden ist, steht unser Fachbereich nicht zuletzt dank seiner Leitung aktuell sehr gut da. Und das positive Feedback bezieht sich nicht nur auf die harten Zahlen, wie die Vollauslastung unserer Studiengänge, sondern auch auf die Stimmung innerhalb des Fachbereichs.

Es gibt also sehr vieles, was ich als Nachfolger von ihm übernehmen könnte. Hervorheben möchte ich die Transparenz bei Entscheidungen und die stets äußerst kooperative Zusammenarbeit auf Augenhöhe mit den anderen Dekanatsmitgliedern, der Verwaltung und den Lehrenden. Zudem möchte auch ich weiterhin stets ein offenes Ohr haben für das Feedback der Studierenden.

Große Änderungen sind also eigentlich nicht geplant. Auch deshalb nicht, weil mit Saskia Bochert und mir ja zwei Mitglieder des vorherigen Dekanats, die sich bereits in den vergangenen Jahren in die Fachbereichsleitung eingebracht haben, erhalten bleiben. Trotzdem wird es ganz automatisch zu gewissen Anpassungen kommen. Das liegt schon daran, dass mein Vorgänger Professor für Marketing war und ich Volkswirt bin. Spätestens zum Ende des Studiums sollten alle Studierenden verstehen, dass es hier gewisse Unterschiede gibt.

Was möchten Sie den Studierenden zum Start Ihrer Amtszeit mitgeben?

Nutzen Sie die Zeit sinnvoll. Sie werden für ein paar Semester von der Gesellschaft freigestellt und finanziell subventioniert, um sich bestmöglich auf Ihren Beruf, Ihren späteren Karriereweg und ein wenig auch auf Ihre kommenden Lebensabschnitte vorzubereiten.

Dazu gehört auch, dass Sie aktiv studieren und die angebotenen Inhalte nicht passiv konsumieren. Insbesondere im Zeitalter von KI werden Ihre Kompetenzen zunehmend wichtiger, während es Anzeichen dafür gibt, dass die Relevanz von bloßen Abschlusszeugnissen nachlässt. Lernen Sie also nicht für das Bestehen eines Scheines, sondern seien Sie gierig auf die Inhalte, das Wissen und die Kompetenzen, die wir Ihnen hier vermitteln. Das ist durchaus anstrengend und arbeitsintensiv, wird aber später vielfältig honoriert.

Unterschätzen Sie dabei nicht die Wichtigkeit des sozialen Austausches. Kritisches Denken, die Übernehme von Verantwortung, Urteilsvermögen oder Empathie sind einige der Kompetenzen, die durch KI deutlich an Bedeutung gewinnen werden. Um diese neben den weiterhin gefragten fachlichen Kenntnissen zu stärken, setzen wir an der HAW Kiel weiterhin auf Präsenzveranstaltungen, in denen Menschen zusammenkommen. Das hat übrigens auch den keinesfalls zu vernachlässigenden positiven Nebeneffekt, dass das Bier nach der Vorlesung in Gesellschaft meist besser schmeckt als allein.

In diesem Sinne wünsche ich ihnen viel Spaß und gutes Gelingen für Ihr Studium am Fachbereich Wirtschaft der HAW Kiel.

Vielen Dank für das Gespräch.

Fed hebt Zinsen an / Ist Nvidia „too big to fail“?

Mein heutiges Interview mit Anis Mičijević für den Handelsblatt Today Podcast:

Today: Fed hebt Zinsen an / Ist Nvidia „too big to fail“? (mein Part ab Minute 8)

„Die US-Notenbank Fed hat am Mittwochabend erstmals seit rund drei Jahren den Leitzins erhöht. Er liegt nun in einer Spanne von 3,75 bis 4,0 Prozent. Der Zinsschritt war wegen der Inflationsentwicklung und den starken Arbeitsmarktdaten in den USA erwartet worden. US-Präsident Donald Trump warf der Fed vor, den Leitzins aus politischen Gründen erhöht zu haben. Den neuen Fed-Chef Kevin Warsh hat er allerdings selbst für das Amt nominiert. Hat Warsh mit dieser Zinserhöhung also seine Unabhängigkeit unter Beweis gestellt? Und könnte die Entscheidung der Startschuss für weitere Zinserhöhungen gewesen sein? Darüber spricht VWL-Professor Harm Bandholz von der HAW Kiel im Podcast.„

Prof. Harm Bandholz (HAW Kiel): „Die Verschuldung ist nur gerechtfertigt, wenn wir einen längeren Wachstumsimpuls haben“

Mein heutiges Interview mit Peter Heinrich vom Börsen Radio Network. Wir haben zahlreiche relevante Themen diskutiert, begonnen mit der gestrigen Fed-Sitzung, über die Problematik von Angebotsschocks, die potenzielle Geldpolitik unter einem neuen Fed-Präsidenten, den Umgang mit dem Sondervermögen in Deutschland bis hin zu den makroökonomischen Auswirkungen von KI.

Link zum Interview:

Prof. Harm Bandholz (HAW Kiel): „Die Verschuldung ist nur gerechtfertigt, wenn wir einen längeren Wachstumsimpuls haben“

„Zwischen Fed-Sitzung, Energiepreisen und KI steht die Wirtschaft gerade unter drei Spannungsfeldern. Wie stabil ist dieses Bild wirklich, und was davon ist schon Trend, was nur Störgeräusch? „Wir sehen einen Aufwärtsdruck auf die Inflation. Eigentlich müsste man nun die Zinsen erhöhen.“ Prof. Harm Bandholz von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Kiel spricht von Angebotsschocks, insbesondere bei der Ölversorgung. „Preise sind im Markt ein Koordinationsmechanismus. Ich bin skeptisch, dass der Staat da wirklich viel ausrichten kann.“ Deutschland hofft auf Erholung und stolpert gleichzeitig über teure Energie. Ist das schon wieder Aufschwung mit angezogener Handbremse? Als „kurzfristig gut für die Konjunktur“ beschreibt Bandholz den Umgang mit dem Sondervermögen: „Ohne Zweifel ist das wachstumsfördernd.“ Aber wie konsumtiv (und eben nicht langfristig) sind diese Investitionen? Bandholz ist skeptisch. Weitere Bedenken gibt es beim Fortschrittsglauben mit der KI: „Eine große Herausforderung auch für Hochschulen: Wenn wir nur noch theoretisches Wissen vermitteln, sind unsere Studierenden bald austauschbar.„

Deutschland: Viel öffentliches Geld für Soziales, wenig für Bildung, Kultur, Investitionen

Das Institut der deutschen Wirtschaft hat heute eine interessante Studie veröffentlich, in der die Struktur der deutschen Staatsausgaben (wofür geben wir Geld aus) mit Ländern, die uns „wirtschaftlich und kulturell nahestehen“ verglichen werden. Hierzu zählen die Benelux-Staaten, Österreich, die Schweiz sowie die nordischen Länder (Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland, Island). Aus der Studie:

„Deutschland sieht sich zahlreichen politischen Herausforderungen gegenüber. Wie die Bewältigung dieser Aufgaben priorisiert wird, zeigt sich in der Ausgabenpolitik. Nicht umsonst wird der Haushalt häufig als „in Zahlen gegossene Politik“ bezeichnet. Welcher Stellenwert wird dem Sozialstaat eingeräumt? Wie wichtig ist das Bildungswesen oder die Landesverteidigung? Wie hoch sind die Verwaltungsausgaben und wie viel wird investiert? Antworten auf diese Fragen können im Rahmen eines internationalen Vergleichs der öffentlichen Ausgaben gesucht werden.“ (Zitat aus der Studie)

Dieser Beitrag untersucht, wie sich die Ausgaben Deutschlands insgesamt und in verschiedenen Aufgabenbereichen in den Jahren 2001 bis 2023 entwickelt haben. Als Vergleichsregionen werden die Benelux-Länder, Österreich/Schweiz und die nordischen Länder herangezogen, welche hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen Entwicklung und kulturellen Prägung Deutschland relativ ähnlich sind. Es werden für verschiedene Aufgaben sowohl die Ausgabenanteile an den gesamten Ausgaben als auch die Ausgaben relativ zum Bruttoinlandsprodukt betrachtet.“

Demnach sind unsere Ausgaben besonders hoch u.a. in den Bereichen

  • soziale Sicherung (siehe Grafik)
  • Gesundheitswesen
  • allgemeine öffentliche Verwaltung

und eher niedrig u.a. in den Bereichen

  • Bildungswesen (siehe Grafik)
  • öffentliche Ordnung und Sicherheit
  • Verteidigung
  • Freizeitgestaltung, Kultur und Religion
  • Umweltschutz
  • Personal
  • Investitionen (siehe Grafik)

Die Ergebnisse bestätigen das Narrativ der aktuellen politischen Diskussion. Von daher sind die Zahlen nicht überraschend, aber in Zeiten von Fake News ist ja auch eine empirische Bestätigung immer willkommen – auch wenn man sich wünschen würde, dass hier die Wahrheit anders aussieht.

Wirtschaftsnobelpreis 2025: Eine Botschaft an Berlin

Gestern wurden in Stockholm der Wirtschaftsnobelpreis vergeben. Der Preis ging an die Ökonomen Joel Mokyr, Philippe Aghion und Peter Howitt. In ihren grundlegenden Arbeiten haben sie gezeigt, wie Innovationen und technologischer Fortschritt zu nachhaltigem Wachstum führen (eine gute zusammenfassende Erklärung der Royal Swedish Academy of Sciences gibt es hier: „From stagnation to sustained growth“).

Das Timing der Ehrung hätte kaum besser sein können. Und je mehr ich darüber nachdenke, desto weniger kann ich mich dem Gedanken erwehren, dass das Komitee mit dieser Auszeichnung eine wichtige Botschaft an viele westliche Regierungen senden möchte – nicht zuletzt an die unsere in Berlin. Hier sind die wesentlichen Punkte aus der Erklärung der Royal Academy:

  • Wirtschaftliches Wachstum beeinflusst den Lebensstandard der Bevölkerung auf vielfältige Weise. Von besseren Medikamenten über sicherere Autos bis hin zu gesünderen Nahrungsmitteln oder effizienterer Energieversorgung. Frei nach Ludwig Erhard: „Wachstum ist nicht alles, aber …“
Quelle: The Royal Swedish Academy of Sciences
  • Die Preisträger betonen, dass man Wachstum nicht als selbstverständlich ansehen solle. Schließlich war für viele Jahrhunderte Stagnation die Norm. Das änderte sich erst mit der ersten Industriellen Revolution.
Quelle: The Royal Swedish Academy of Sciences
  • Wachstum entsteht durch kreative Zerstörung. Innovationen führen dazu, dass ältere Produkte und Technologien durch neuere und bessere Produkte und Technologien ersetzt werden. Dadurch können bestehende Strukturen und Arbeitsweisen zerstört werden.
  • Dieser Prozess bringt Gewinner und Verlierer hervor. Dies gilt sowohl für Unternehmen als auch für deren Mitarbeiter. Je höher das Wachstum, desto größer die kreative Zerstörung. 
  • Die Regierung sollte unterstützen, indem sie die Arbeitnehmer – nicht die Arbeitsplätze – schützt. Insbesondere gilt es den Übergang zu produktiveren Arbeitsplätzen zu erleichtern.
  • Schließlich kommt der Gesellschaft eine besonders wichtige Rolle zu. Zum einen muss sie offen sein für neue Ideen und Veränderungen. Zum anderen muss sie ein Umfeld schaffen, welches Innovationen und Unternehmertum fördert. Auch hier kann und muss die Politik ansetzen, um die richtigen Anreize zu setzen.

Wenn wir die richtigen Maßnahmen nicht ergreifen, so die Royal Academy „könnte die Maschine, die uns nachhaltiges Wachstum und kreative Zerstörung gebracht hat, aufhören zu laufen – und wir müssten uns erneut an Stagnation gewöhnen. Wir können dies vermeiden, wenn wir die wesentlichen Erkenntnisse der Preisträger beachten.“ Mögen diese Worte an der richtigen Stelle erhört werden.

It’s the economy, stupid!

Viele Menschen hierzulande fragen sich, wie die Amerikaner die kontroverse Politik von Präsident Trump gutheißen können. Die einfache Antwort darauf lautet: Sie tun es gar nicht! Umfragen zeigen durch die Bank, dass es seit bereits Mitte März mehr unzufriedene als zufriedene Personen gibt. Laut der aktuellen, täglich aktualisierten YouGov/Economist Umfrage fiel die Zustimmung zuletzt sogar auf ein neues Tief (siehe Grafik).

Quelle: YouGov/Economist, Stand: 19.09.2025

Ein Blick auf die Bundesstaaten zeigt dabei, dass die Zustimmungswerte des Präsidenten in allen wichtigen Swing-States (Arizona, Nevada, Wisconsin, Michigan, Pennsylvania und Georgia), mittlerweile in einen negativen zweistelligen Bereich gerutscht sind (siehe Grafik).

Quelle: YouGov/Economist, Stand: 19.09.2025

Der Grund für diese sinkenden Umfragewerte ist die sich verschlechternde wirtschaftliche Lage. Schließlich ist die Entwicklung der Wirtschaft für die Wähler aktuell mit Abstand das wichtigste Thema (siehe obere Grafik), wobei Inflation eine noch bedeutendere Rolle spielt als der Arbeitsmarkt (untere Grafik). Einwanderung hat dagegen seit der Wahl deutlich an Relevanz verloren; eine durchaus schlechte Nachricht für Präsident Trump, da er seine Wählerschaft hinter diesem Thema ja stets versammeln konnte.

Quelle: YouGov/Economist, Stand: 19.09.2025

Insbesondere hinsichtlich der relevanten Themen – Inflation, Wirtschaft und Arbeitsmarkt – stellen die Wähler Präsident Trump derzeit ein besonders schlechtes Zeugnis aus (siehe Grafik). Schließlich hatte der Präsident im Wahlkampf versprochen, dass “Under my plan, incomes will skyrocket, inflation will vanish completely, jobs will come roaring back, and the middle class will prosper like never ever before, and we’re going to do it very rapidly.“1 Doch davon ist aktuell kaum etwas zu sehen.

  • Die Inflationsrate verharrt weiterhin bei 3% und in den vergangenen drei Monaten die hat sich die Teuerungsrate sogar wieder beschleunigt.
  • Die Beschäftigungszuwächse lagen in den vergangenen vier Monaten bei durchschnittlich 27.000 pro Monat, verglichen mit 168.000 im Mittel des Jahres 2024.

Diese Entwicklungen erklären auch die drastischen Maßnahmen von Präsident Trump in den vergangenen Wochen und Monaten, wie die Entlassung von Erika McEntarfer von ihrem Posten als Leiterin des Bureau of Labor Statistics (BLS). Zur Erläuterung: das BLS ist die Statistikbehörde, welche sowohl den monatlichen Arbeitsmarktbericht als auch die Inflationsdaten veröffentlicht. Trump entließ McEntarfer Anfang August nach Veröffentlichung eines schwachen Arbeitsmarktberichts. Auch der Druck auf die US-Notenbank, insbesondere der versuchte Rausschmiss von Gouverneurin Lisa Cook Ende August, passt in dieses Kalkül. Da die Steuersenkungen bislang noch nicht den erhofften wirtschaftlichen Schub gebracht haben, benötigt die US-Regierung jede Hilfe, die sie bekommen kann – auch in Form niedrigerer Zinsen. Zudem versucht der Präsident auf diese Weise, die Schuld des ausbleibenden Wirtschaftswunders auf andere zu schieben. Allerdings zeigen diese Umfragen, dass dieser Versuch bislang nicht den erhofften Erfolg gebracht hat. Und mit der Inflation als vorherrschendem Problem könnte die Untergrabung der Unabhängigkeit der Fed mittelfristig zum Boomerang werden.

Quelle: YouGov/Economist, Stand: 19.09.2025

Ob all das vielleicht bereits bei den Midterm elections zu einem Politikwechsel führt, ist jedoch mehr als fraglich. Zwar liegen die Demokraten in landesweiten Umfragen mit etwa drei Punkten vorne, allerdings lässt sich aufgrund des speziellen Wahlsystems der USA daraus noch längst nicht ableiten, dass sie die Wahl auch gewinnen. Das gilt insbesondere für den wichtigen Senat. Nach Schätzungen von Race to the White House beträgt die Chance, dass die Republikaner bei den kommenden Wahlen ihre Mehrheit im Senat behalten bei 64%. Die Demokraten müssen also endlich aufwachen, die letzte Wahlniederlage abschütteln und sich mit einer neuen Identität, frischen Ideen und charismatischen Köpfen ihren Wählern präsentieren. Unterstützung liefert dabei aller Voraussicht nach Trumps Wirtschaftspolitik.

Quelle: Race to the WH, The 2026 Senate Forecast, Stand: 18.09.2025
  1. Speech: Donald Trump Accepts the 2024 GOP Nomination for President in Milwaukee – July 18, 2024, Link. ↩︎

„Trump ist eine Herausforderung für die Märkte. Europa muss endlich näher zusammenrücken!“

Mein heutiges Interview mit Andreas Groß vom Börsen Radio Network. Unterhalten haben wir uns über die Themen aus dem aktuellen Ifo Schnelldienst Artikel:

💥 Der „One Big Beautiful Bill Act“ hat gravierende Auswirkungen auf die Haushaltslage des Fiskus.
💥 Das größte Problem ist der Schuldendienst, der auf 5 bis 6 % des BIP ansteigen dürfte.
💥 Mit dem Mar-a-Lago Accord soll der Dollar gezielt abgewertet werden, um die Wettbewerbsfähigkeit der USA zu verbessern.
💥 Gleichzeitig soll so etwas wie ein Staatsanleihen-Basar entstehen (mit extra niedrigen Renditen), insbesondere für Länder, die auf den (militärischen) Schutz der USA angewiesen sind.
💥 Die Fed soll die Geldpolitik übermäßig lockern – und im Zweifel Staatsanleihen kaufen.
👉 Sofern Europa bereit ist, die eigenen Stärken zu nutzen und endlich geschlossener aufzutreten, bieten sich hieraus aber auch Chancen für den Währungsraum.

Link zum Interview:

Exklusiv: Brandbrief von Bandholz. „Trump ist eine Herausforderung für die Märkte. Europa muss endlich näher zusammenrücken!“

Prof. Harm Bandholz von der Fachhochschule Kiel ist sich in seinem neuen Dossier (Trump als Herausforderung für die globalen Finanzmärkte) sicher: US-Präsident Trump ist eine Herausforderung für die globalen Finanzmärkte. Das Steuerpaket des „One Big Beautiful Bill Act“ hat gravierende Auswirkungen auf die Haushaltslage des Fiskus. Ein „enormer Anstieg“ der Staatsverschuldung ist zu erwarten. „Das größte Problem aber ist die Verzinsung dieser Schulden: ein ordentlicher Batzen von 5 bis 6 % des BIP.“ Ein Defizit, das auch durch höhere Zölle nicht beglichen werden kann: „Eine Trump’sche Milchmädchenrechnung.“ Mit dem Mar-a-Lago Accord soll der Dollar gezielt abgewertet werden, um die Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Unternehmen zu steigern. Gleichzeitig soll so etwas wie ein Staatsanleihen-Basar entstehen (mit extra niedrigen Renditen), insbesondere für Länder, die auf den (militärischen) Schutz der USA angewiesen sind. „Die Fed soll die Geldpolitik übermäßig lockern – und im Zweifel Staatsanleihen kaufen.“ Unter welcher Herrschaft auch immer … Alles in allem sieht Bandholz aber gute Chance für Europa, sofern es bereit ist, die eigenen Stärken zu nutzen und endlich geschlossener aufzutreten.

Trump als Herausforderung für die globalen Finanzmärkte

Mein Beitrag im heute veröffentlichten Ifo Schnelldienst „US-Staatsfinanzen auf Kollisionskurs? Was die One Big Beautiful Bill für die Finanzmärkte und Europa bedeutet“ mit dem Fazit:

„Die aktuelle wirtschafts- und geopolitische Agenda der USA stellt für die globalen Finanzmärkte eine enorme Herausforderung dar. Um den Schuldendienst angesichts der sprunghaft ansteigenden Verschuldung leisten zu können, wird der Regierung Trump kaum etwas anderes übrigbleiben, als die Marktkräfte auszuhebeln. Dazu gehören verstärkter Druck auf ausländische Investoren und eine weniger unabhängige Notenbank. Die Folge wären Inflation und ein schwächerer US-Dollar. Da der Stress diesmal durch die Fiskalpolitik der USA ausgelöst wird, entfällt zudem der sichere Hafen, in den sich Investoren in Krisen normalerweise geflüchtet haben, nämlich der US-Dollar und US-Staatsanleihen. Wenn überhaupt kann dieses Vakuum aktuell nur durch Europa und den Euro geschlossen werden. Für den Währungsraum Verpflichtung und Chance zugleich.„

Den gesamten Artikel gibt es hier:

Trump entlässt Fed-Gouverneurin Lisa Cook – die Hintergründe

Mein heutiges Interview mit Anis Mičijević für den Handelsblatt Today Podcast: https://www.handelsblatt.com/audio/today/today-trump-entlaesst-fed-gouverneurin-lisa-cook-die-hintergruende/100150785.html (ab Minute 8). Meine Kernaussagen:

  • Es ist der bisher weitreichendste Versuch von Präsident Trump, die Unabhängigkeit der US-Notenbank zu untergraben und ihr Führungsgremium (Board) unter seine Kontrolle zu bringen.
  • Die Anklagen gegen Lisa Cook kommen zu diesem Zeitpunkt auch nicht zufällig ans Licht. Es wurde sicherlich ordentlich gewühlt, um derartige Anschuldigungen zu finden. Das bedeutet auch, dass ein solcher Schritt von längerer Hand geplant wurde. 
  • Nachdem die ersten Attacken auf Fed-Chair Jerome Powell nicht den erhofft kurzfristigen Erfolg gebracht hatten, geht die Trump Regierung nun strategischer vor und versucht, den Offenmarktausschuss Schritt für Schritt zu übernehmen.
  • Zunächst soll dabei die Mehrheit im 7-köpfigen Board erreicht werden. Nach einer erfolgreichen Entlassung von Lisa Cook könnte Trump einen vierten „loyalen“ Gouverneur ernennen und hätte somit hier die Mehrheit bereits erreicht. Die Causa Cook ist daher von enormer Bedeutung.
  • Mit der Mehrheit im Board kann dann Einfluss auf die Präsidenten der regionalen Fed-Banken genommen werden. Damit hätte man dann den gesamten Offenmarktausschuss unter Kontrolle gebracht, was wiederum die Durchführung einer Geldpolitik im Sinne von Präsident Trump ermöglicht. 
  • Angesichts seiner äußerst kostspieligen Wirtschaftspolitik (Big Beautiful Bill) hat Trump kaum eine andere Möglichkeit (außer der „absurden“ Idee einer Haushaltskonsolidierung oder Zahlungsausfällen, die aktuell vermieden werden sollen), als durch die Einflussnahme auf die Geldpolitik die Zinslast für seine Regierung auch nur halbwegs im Rahmen zu halten. Kaufkraftverluste für die Bevölkerung werden dabei billigend in Kauf genommen.

Anis Mičijević (26.08.2025 – 17:03 Uhr): US-Präsident Donald Trump wirft eine der führenden Fed-Notenbankerinnen raus – die will sich zur Wehr setzen. Außerdem: Was bringen Covered-Call-ETFs?

US-Präsident Donald Trump hat am Montagabend die Fed-Gouverneurin Lisa Cook mit sofortiger Wirkung entlassen. Diesen Schritt hatte er bereits vergangene Woche angedroht. Trump postete den Entlassungsbrief auf seinem sozialen Netzwerk Truth Social. Darin wirft er Cook Hypothekenbetrug vor und begründet damit auch die Entlassung. 

Cook ist die erste afroamerikanische Gouverneurin der Fed. Sie wurde von Trumps Vorgänger Joe Biden nominiert, ihre Amtszeit läuft regulär noch bis 2038. Und sie weigert sich, die Entlassung zu akzeptieren. Cooks Anwalt erklärte, man plane, „alle notwendigen Schritte zu unternehmen, um Trumps rechtswidrige Maßnahme zu verhindern“. Es droht ein langer juristischer Streit, der vor dem Obersten Gericht landen könnte.

Der Vorgang ist einmalig, denn Experten zufolge wurde noch nie ein Mitglied aus dem Führungsgremium der Fed gefeuert. Harm Bandholz, Professor für Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftspolitik an der Fachhochschule Kiel, ordnet die Lage im Podcast ein.

Powell-Schock für Märkte – Experte ordnet Trumps Spiel mit der Fed ein

Nicht nur die Leitzinsen will US-Präsident Trump mit Druck senken: Als nächstes könnte er auch versuchen, auf den Anleihemarkt einzuwirken, glaubt VWL-Professor Bandholz. Außerdem: Strategien für die Altersvorsorge.

Mein heutiges Interview mit Nele Dohmen für den Handelsblatt Today Podcast: https://www.handelsblatt.com/audio/today/today-powell-schock-fuer-maerkte-experte-ordnet-trumps-spiel-mit-der-fed-ein/100142446.html (mein Part ab Minute 8)

Für eine kurze Zeit ging die Wall Street in der Nacht zum Donnerstag (deutscher Zeit) davon aus, dass US-Präsident Donald Trump den Chef der US-Notenbank Fed, Jerome Powell, entlassen würde – und reagierte mit Abverkäufen. Die Aktienmärkte drehten ins Minus. Der Dollar schwächte sich deutlich ab. Investoren warfen US-Staatsanleihen mit längerfristigen Laufzeiten aus dem Portfolio. Nach dem Dementi Trumps drehten die Märkte fast genauso schnell wieder zurück, doch die Diskussionen gehen weiter. 

Ausgangspunkt des Streits ist eine fundamental unterschiedliche Auffassung über die richtige Geldpolitik. Trump fordert angesichts hoher und steigender Staatsschulden eine schnelle Senkung der Leitzinsen, Powell hält das in der aktuellen Lage und mit Blick auf die Inflation für falsch. Trump könnte zudem versuchen, nicht nur auf die Geldpolitik, sondern auch auf den Anleihemarkt Einfluss zu nehmen: „Wenn Trump den Markt sich selbst überlässt, dann wird er relativ schnell das Urteil bekommen, dass seine Politik absolut nicht nachhaltig ist“, sagt Harm Bandholz, Professor für Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftspolitik an der Fachhochschule Kiel.