Deutschland: Viel öffentliches Geld für Soziales, wenig für Bildung, Kultur, Investitionen

Das Institut der deutschen Wirtschaft hat heute eine interessante Studie veröffentlich, in der die Struktur der deutschen Staatsausgaben (wofür geben wir Geld aus) mit Ländern, die uns „wirtschaftlich und kulturell nahestehen“ verglichen werden. Hierzu zählen die Benelux-Staaten, Österreich, die Schweiz sowie die nordischen Länder (Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland, Island). Aus der Studie:

„Deutschland sieht sich zahlreichen politischen Herausforderungen gegenüber. Wie die Bewältigung dieser Aufgaben priorisiert wird, zeigt sich in der Ausgabenpolitik. Nicht umsonst wird der Haushalt häufig als „in Zahlen gegossene Politik“ bezeichnet. Welcher Stellenwert wird dem Sozialstaat eingeräumt? Wie wichtig ist das Bildungswesen oder die Landesverteidigung? Wie hoch sind die Verwaltungsausgaben und wie viel wird investiert? Antworten auf diese Fragen können im Rahmen eines internationalen Vergleichs der öffentlichen Ausgaben gesucht werden.“ (Zitat aus der Studie)

Dieser Beitrag untersucht, wie sich die Ausgaben Deutschlands insgesamt und in verschiedenen Aufgabenbereichen in den Jahren 2001 bis 2023 entwickelt haben. Als Vergleichsregionen werden die Benelux-Länder, Österreich/Schweiz und die nordischen Länder herangezogen, welche hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen Entwicklung und kulturellen Prägung Deutschland relativ ähnlich sind. Es werden für verschiedene Aufgaben sowohl die Ausgabenanteile an den gesamten Ausgaben als auch die Ausgaben relativ zum Bruttoinlandsprodukt betrachtet.“

Demnach sind unsere Ausgaben besonders hoch u.a. in den Bereichen

  • soziale Sicherung (siehe Grafik)
  • Gesundheitswesen
  • allgemeine öffentliche Verwaltung

und eher niedrig u.a. in den Bereichen

  • Bildungswesen (siehe Grafik)
  • öffentliche Ordnung und Sicherheit
  • Verteidigung
  • Freizeitgestaltung, Kultur und Religion
  • Umweltschutz
  • Personal
  • Investitionen (siehe Grafik)

Die Ergebnisse bestätigen das Narrativ der aktuellen politischen Diskussion. Von daher sind die Zahlen nicht überraschend, aber in Zeiten von Fake News ist ja auch eine empirische Bestätigung immer willkommen – auch wenn man sich wünschen würde, dass hier die Wahrheit anders aussieht.

Wirtschaftsnobelpreis 2025: Eine Botschaft an Berlin

Gestern wurden in Stockholm der Wirtschaftsnobelpreis vergeben. Der Preis ging an die Ökonomen Joel Mokyr, Philippe Aghion und Peter Howitt. In ihren grundlegenden Arbeiten haben sie gezeigt, wie Innovationen und technologischer Fortschritt zu nachhaltigem Wachstum führen (eine gute zusammenfassende Erklärung der Royal Swedish Academy of Sciences gibt es hier: „From stagnation to sustained growth“).

Das Timing der Ehrung hätte kaum besser sein können. Und je mehr ich darüber nachdenke, desto weniger kann ich mich dem Gedanken erwehren, dass das Komitee mit dieser Auszeichnung eine wichtige Botschaft an viele westliche Regierungen senden möchte – nicht zuletzt an die unsere in Berlin. Hier sind die wesentlichen Punkte aus der Erklärung der Royal Academy:

  • Wirtschaftliches Wachstum beeinflusst den Lebensstandard der Bevölkerung auf vielfältige Weise. Von besseren Medikamenten über sicherere Autos bis hin zu gesünderen Nahrungsmitteln oder effizienterer Energieversorgung. Frei nach Ludwig Erhard: „Wachstum ist nicht alles, aber …“
Quelle: The Royal Swedish Academy of Sciences
  • Die Preisträger betonen, dass man Wachstum nicht als selbstverständlich ansehen solle. Schließlich war für viele Jahrhunderte Stagnation die Norm. Das änderte sich erst mit der ersten Industriellen Revolution.
Quelle: The Royal Swedish Academy of Sciences
  • Wachstum entsteht durch kreative Zerstörung. Innovationen führen dazu, dass ältere Produkte und Technologien durch neuere und bessere Produkte und Technologien ersetzt werden. Dadurch können bestehende Strukturen und Arbeitsweisen zerstört werden.
  • Dieser Prozess bringt Gewinner und Verlierer hervor. Dies gilt sowohl für Unternehmen als auch für deren Mitarbeiter. Je höher das Wachstum, desto größer die kreative Zerstörung. 
  • Die Regierung sollte unterstützen, indem sie die Arbeitnehmer – nicht die Arbeitsplätze – schützt. Insbesondere gilt es den Übergang zu produktiveren Arbeitsplätzen zu erleichtern.
  • Schließlich kommt der Gesellschaft eine besonders wichtige Rolle zu. Zum einen muss sie offen sein für neue Ideen und Veränderungen. Zum anderen muss sie ein Umfeld schaffen, welches Innovationen und Unternehmertum fördert. Auch hier kann und muss die Politik ansetzen, um die richtigen Anreize zu setzen.

Wenn wir die richtigen Maßnahmen nicht ergreifen, so die Royal Academy „könnte die Maschine, die uns nachhaltiges Wachstum und kreative Zerstörung gebracht hat, aufhören zu laufen – und wir müssten uns erneut an Stagnation gewöhnen. Wir können dies vermeiden, wenn wir die wesentlichen Erkenntnisse der Preisträger beachten.“ Mögen diese Worte an der richtigen Stelle erhört werden.

It’s the economy, stupid!

Viele Menschen hierzulande fragen sich, wie die Amerikaner die kontroverse Politik von Präsident Trump gutheißen können. Die einfache Antwort darauf lautet: Sie tun es gar nicht! Umfragen zeigen durch die Bank, dass es seit bereits Mitte März mehr unzufriedene als zufriedene Personen gibt. Laut der aktuellen, täglich aktualisierten YouGov/Economist Umfrage fiel die Zustimmung zuletzt sogar auf ein neues Tief (siehe Grafik).

Quelle: YouGov/Economist, Stand: 19.09.2025

Ein Blick auf die Bundesstaaten zeigt dabei, dass die Zustimmungswerte des Präsidenten in allen wichtigen Swing-States (Arizona, Nevada, Wisconsin, Michigan, Pennsylvania und Georgia), mittlerweile in einen negativen zweistelligen Bereich gerutscht sind (siehe Grafik).

Quelle: YouGov/Economist, Stand: 19.09.2025

Der Grund für diese sinkenden Umfragewerte ist die sich verschlechternde wirtschaftliche Lage. Schließlich ist die Entwicklung der Wirtschaft für die Wähler aktuell mit Abstand das wichtigste Thema (siehe obere Grafik), wobei Inflation eine noch bedeutendere Rolle spielt als der Arbeitsmarkt (untere Grafik). Einwanderung hat dagegen seit der Wahl deutlich an Relevanz verloren; eine durchaus schlechte Nachricht für Präsident Trump, da er seine Wählerschaft hinter diesem Thema ja stets versammeln konnte.

Quelle: YouGov/Economist, Stand: 19.09.2025

Insbesondere hinsichtlich der relevanten Themen – Inflation, Wirtschaft und Arbeitsmarkt – stellen die Wähler Präsident Trump derzeit ein besonders schlechtes Zeugnis aus (siehe Grafik). Schließlich hatte der Präsident im Wahlkampf versprochen, dass “Under my plan, incomes will skyrocket, inflation will vanish completely, jobs will come roaring back, and the middle class will prosper like never ever before, and we’re going to do it very rapidly.“1 Doch davon ist aktuell kaum etwas zu sehen.

  • Die Inflationsrate verharrt weiterhin bei 3% und in den vergangenen drei Monaten die hat sich die Teuerungsrate sogar wieder beschleunigt.
  • Die Beschäftigungszuwächse lagen in den vergangenen vier Monaten bei durchschnittlich 27.000 pro Monat, verglichen mit 168.000 im Mittel des Jahres 2024.

Diese Entwicklungen erklären auch die drastischen Maßnahmen von Präsident Trump in den vergangenen Wochen und Monaten, wie die Entlassung von Erika McEntarfer von ihrem Posten als Leiterin des Bureau of Labor Statistics (BLS). Zur Erläuterung: das BLS ist die Statistikbehörde, welche sowohl den monatlichen Arbeitsmarktbericht als auch die Inflationsdaten veröffentlicht. Trump entließ McEntarfer Anfang August nach Veröffentlichung eines schwachen Arbeitsmarktberichts. Auch der Druck auf die US-Notenbank, insbesondere der versuchte Rausschmiss von Gouverneurin Lisa Cook Ende August, passt in dieses Kalkül. Da die Steuersenkungen bislang noch nicht den erhofften wirtschaftlichen Schub gebracht haben, benötigt die US-Regierung jede Hilfe, die sie bekommen kann – auch in Form niedrigerer Zinsen. Zudem versucht der Präsident auf diese Weise, die Schuld des ausbleibenden Wirtschaftswunders auf andere zu schieben. Allerdings zeigen diese Umfragen, dass dieser Versuch bislang nicht den erhofften Erfolg gebracht hat. Und mit der Inflation als vorherrschendem Problem könnte die Untergrabung der Unabhängigkeit der Fed mittelfristig zum Boomerang werden.

Quelle: YouGov/Economist, Stand: 19.09.2025

Ob all das vielleicht bereits bei den Midterm elections zu einem Politikwechsel führt, ist jedoch mehr als fraglich. Zwar liegen die Demokraten in landesweiten Umfragen mit etwa drei Punkten vorne, allerdings lässt sich aufgrund des speziellen Wahlsystems der USA daraus noch längst nicht ableiten, dass sie die Wahl auch gewinnen. Das gilt insbesondere für den wichtigen Senat. Nach Schätzungen von Race to the White House beträgt die Chance, dass die Republikaner bei den kommenden Wahlen ihre Mehrheit im Senat behalten bei 64%. Die Demokraten müssen also endlich aufwachen, die letzte Wahlniederlage abschütteln und sich mit einer neuen Identität, frischen Ideen und charismatischen Köpfen ihren Wählern präsentieren. Unterstützung liefert dabei aller Voraussicht nach Trumps Wirtschaftspolitik.

Quelle: Race to the WH, The 2026 Senate Forecast, Stand: 18.09.2025
  1. Speech: Donald Trump Accepts the 2024 GOP Nomination for President in Milwaukee – July 18, 2024, Link. ↩︎

„Trump ist eine Herausforderung für die Märkte. Europa muss endlich näher zusammenrücken!“

Mein heutiges Interview mit Andreas Groß vom Börsen Radio Network. Unterhalten haben wir uns über die Themen aus dem aktuellen Ifo Schnelldienst Artikel:

💥 Der „One Big Beautiful Bill Act“ hat gravierende Auswirkungen auf die Haushaltslage des Fiskus.
💥 Das größte Problem ist der Schuldendienst, der auf 5 bis 6 % des BIP ansteigen dürfte.
💥 Mit dem Mar-a-Lago Accord soll der Dollar gezielt abgewertet werden, um die Wettbewerbsfähigkeit der USA zu verbessern.
💥 Gleichzeitig soll so etwas wie ein Staatsanleihen-Basar entstehen (mit extra niedrigen Renditen), insbesondere für Länder, die auf den (militärischen) Schutz der USA angewiesen sind.
💥 Die Fed soll die Geldpolitik übermäßig lockern – und im Zweifel Staatsanleihen kaufen.
👉 Sofern Europa bereit ist, die eigenen Stärken zu nutzen und endlich geschlossener aufzutreten, bieten sich hieraus aber auch Chancen für den Währungsraum.

Link zum Interview:

Exklusiv: Brandbrief von Bandholz. „Trump ist eine Herausforderung für die Märkte. Europa muss endlich näher zusammenrücken!“

Prof. Harm Bandholz von der Fachhochschule Kiel ist sich in seinem neuen Dossier (Trump als Herausforderung für die globalen Finanzmärkte) sicher: US-Präsident Trump ist eine Herausforderung für die globalen Finanzmärkte. Das Steuerpaket des „One Big Beautiful Bill Act“ hat gravierende Auswirkungen auf die Haushaltslage des Fiskus. Ein „enormer Anstieg“ der Staatsverschuldung ist zu erwarten. „Das größte Problem aber ist die Verzinsung dieser Schulden: ein ordentlicher Batzen von 5 bis 6 % des BIP.“ Ein Defizit, das auch durch höhere Zölle nicht beglichen werden kann: „Eine Trump’sche Milchmädchenrechnung.“ Mit dem Mar-a-Lago Accord soll der Dollar gezielt abgewertet werden, um die Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Unternehmen zu steigern. Gleichzeitig soll so etwas wie ein Staatsanleihen-Basar entstehen (mit extra niedrigen Renditen), insbesondere für Länder, die auf den (militärischen) Schutz der USA angewiesen sind. „Die Fed soll die Geldpolitik übermäßig lockern – und im Zweifel Staatsanleihen kaufen.“ Unter welcher Herrschaft auch immer … Alles in allem sieht Bandholz aber gute Chance für Europa, sofern es bereit ist, die eigenen Stärken zu nutzen und endlich geschlossener aufzutreten.

Trump als Herausforderung für die globalen Finanzmärkte

Mein Beitrag im heute veröffentlichten Ifo SchnelldienstUS-Staatsfinanzen auf Kollisionskurs? Was die One Big Beautiful Bill für die Finanzmärkte und Europa bedeutet“ mit dem Fazit:

Die aktuelle wirtschafts- und geopolitische Agenda der USA stellt für die globalen Finanzmärkte eine enorme Herausforderung dar. Um den Schuldendienst angesichts der sprunghaft ansteigenden Verschuldung leisten zu können, wird der Regierung Trump kaum etwas anderes übrigbleiben, als die Marktkräfte auszuhebeln. Dazu gehören verstärkter Druck auf ausländische Investoren und eine weniger unabhängige Notenbank. Die Folge wären Inflation und ein schwächerer US-Dollar. Da der Stress diesmal durch die Fiskalpolitik der USA ausgelöst wird, entfällt zudem der sichere Hafen, in den sich Investoren in Krisen normalerweise geflüchtet haben, nämlich der US-Dollar und US-Staatsanleihen. Wenn überhaupt kann dieses Vakuum aktuell nur durch Europa und den Euro geschlossen werden. Für den Währungsraum Verpflichtung und Chance zugleich.

Den gesamten Artikel gibt es hier:

Trump entlässt Fed-Gouverneurin Lisa Cook – die Hintergründe

Mein heutiges Interview mit Anis Mičijević für den Handelsblatt Today Podcast: https://www.handelsblatt.com/audio/today/today-trump-entlaesst-fed-gouverneurin-lisa-cook-die-hintergruende/100150785.html (ab Minute 8). Meine Kernaussagen:

  • Es ist der bisher weitreichendste Versuch von Präsident Trump, die Unabhängigkeit der US-Notenbank zu untergraben und ihr Führungsgremium (Board) unter seine Kontrolle zu bringen.
  • Die Anklagen gegen Lisa Cook kommen zu diesem Zeitpunkt auch nicht zufällig ans Licht. Es wurde sicherlich ordentlich gewühlt, um derartige Anschuldigungen zu finden. Das bedeutet auch, dass ein solcher Schritt von längerer Hand geplant wurde. 
  • Nachdem die ersten Attacken auf Fed-Chair Jerome Powell nicht den erhofft kurzfristigen Erfolg gebracht hatten, geht die Trump Regierung nun strategischer vor und versucht, den Offenmarktausschuss Schritt für Schritt zu übernehmen.
  • Zunächst soll dabei die Mehrheit im 7-köpfigen Board erreicht werden. Nach einer erfolgreichen Entlassung von Lisa Cook könnte Trump einen vierten „loyalen“ Gouverneur ernennen und hätte somit hier die Mehrheit bereits erreicht. Die Causa Cook ist daher von enormer Bedeutung.
  • Mit der Mehrheit im Board kann dann Einfluss auf die Präsidenten der regionalen Fed-Banken genommen werden. Damit hätte man dann den gesamten Offenmarktausschuss unter Kontrolle gebracht, was wiederum die Durchführung einer Geldpolitik im Sinne von Präsident Trump ermöglicht. 
  • Angesichts seiner äußerst kostspieligen Wirtschaftspolitik (Big Beautiful Bill) hat Trump kaum eine andere Möglichkeit (außer der „absurden“ Idee einer Haushaltskonsolidierung oder Zahlungsausfällen, die aktuell vermieden werden sollen), als durch die Einflussnahme auf die Geldpolitik die Zinslast für seine Regierung auch nur halbwegs im Rahmen zu halten. Kaufkraftverluste für die Bevölkerung werden dabei billigend in Kauf genommen.

Anis Mičijević (26.08.2025 – 17:03 Uhr): US-Präsident Donald Trump wirft eine der führenden Fed-Notenbankerinnen raus – die will sich zur Wehr setzen. Außerdem: Was bringen Covered-Call-ETFs?

US-Präsident Donald Trump hat am Montagabend die Fed-Gouverneurin Lisa Cook mit sofortiger Wirkung entlassen. Diesen Schritt hatte er bereits vergangene Woche angedroht. Trump postete den Entlassungsbrief auf seinem sozialen Netzwerk Truth Social. Darin wirft er Cook Hypothekenbetrug vor und begründet damit auch die Entlassung. 

Cook ist die erste afroamerikanische Gouverneurin der Fed. Sie wurde von Trumps Vorgänger Joe Biden nominiert, ihre Amtszeit läuft regulär noch bis 2038. Und sie weigert sich, die Entlassung zu akzeptieren. Cooks Anwalt erklärte, man plane, „alle notwendigen Schritte zu unternehmen, um Trumps rechtswidrige Maßnahme zu verhindern“. Es droht ein langer juristischer Streit, der vor dem Obersten Gericht landen könnte.

Der Vorgang ist einmalig, denn Experten zufolge wurde noch nie ein Mitglied aus dem Führungsgremium der Fed gefeuert. Harm Bandholz, Professor für Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftspolitik an der Fachhochschule Kiel, ordnet die Lage im Podcast ein.

Powell-Schock für Märkte – Experte ordnet Trumps Spiel mit der Fed ein

Nicht nur die Leitzinsen will US-Präsident Trump mit Druck senken: Als nächstes könnte er auch versuchen, auf den Anleihemarkt einzuwirken, glaubt VWL-Professor Bandholz. Außerdem: Strategien für die Altersvorsorge.

Mein heutiges Interview mit Nele Dohmen für den Handelsblatt Today Podcast: https://www.handelsblatt.com/audio/today/today-powell-schock-fuer-maerkte-experte-ordnet-trumps-spiel-mit-der-fed-ein/100142446.html (mein Part ab Minute 8)

Für eine kurze Zeit ging die Wall Street in der Nacht zum Donnerstag (deutscher Zeit) davon aus, dass US-Präsident Donald Trump den Chef der US-Notenbank Fed, Jerome Powell, entlassen würde – und reagierte mit Abverkäufen. Die Aktienmärkte drehten ins Minus. Der Dollar schwächte sich deutlich ab. Investoren warfen US-Staatsanleihen mit längerfristigen Laufzeiten aus dem Portfolio. Nach dem Dementi Trumps drehten die Märkte fast genauso schnell wieder zurück, doch die Diskussionen gehen weiter. 

Ausgangspunkt des Streits ist eine fundamental unterschiedliche Auffassung über die richtige Geldpolitik. Trump fordert angesichts hoher und steigender Staatsschulden eine schnelle Senkung der Leitzinsen, Powell hält das in der aktuellen Lage und mit Blick auf die Inflation für falsch. Trump könnte zudem versuchen, nicht nur auf die Geldpolitik, sondern auch auf den Anleihemarkt Einfluss zu nehmen: „Wenn Trump den Markt sich selbst überlässt, dann wird er relativ schnell das Urteil bekommen, dass seine Politik absolut nicht nachhaltig ist“, sagt Harm Bandholz, Professor für Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftspolitik an der Fachhochschule Kiel.

Who Really Benefits from Auto Tariffs?

When I was still working at UniCredit Bank in New York, I had the privilege of regularly contributing the Economist’s Corner to German American Trade, the Quarterly Journal of the German American Chamber of Commerce. This article, my last contribution before heading back to Germany, is from the 2nd Quarter of 2019. (Unfortunately,) the topic seems strikingly current again, so I thought I share it with you.

Following the release of the “Section 232” national security report in mid-February, additional tariffs on cars are hanging over the transatlantic relationship like a Damocles Sword. To state the obvious, car exports from the European Union or any other region do not pose a national security threat to the United States. Instead, they are merely a proxy, albeit an important one, for the broader trade imbalances that the US administration wants to tackle. In 2018, the US ran a merchandise trade deficit with the EU of USD 169bn, significantly larger than the USD 101bn deficit that it has with its two neighbors, Canada and Mexico. The biggest ‘culprit’ is, of course, Germany, with whom the US has its third-largest bilateral trade deficit (after China and Mexico). But Ireland (5th) and Italy (7th) are among the top-ten deficit countries as well.

If one just focuses on the headlines, one may easily get the impression that these trade deficits are primarily the result of the US being treated unfairly by the EU through higher tariffs. The facts, however, speak a different language: According to the World Trade Organization, EU exports of non-agricultural goods to the US face a weighted-average tariff of 1.6%, while US exports of those goods to the EU face a weighted-average duty of 1.4%. In other words, tariff rates between the regions are low and there is not much of a difference on aggregate. If anything, the EU has a slight disadvantage here.

What about cars? It is true that the EU duty on car imports from the US is 10%, while the US duty on European car imports is only 2.5%. This observation, however, ignores non-tariff barriers, i.e. technical standards, regulations, and testing procedures, etc., which are higher in the US than in the EU. As important, it leaves out the so-called light trucks, which comprise pickup trucks, minivans and SUVs. For those vehicles, the EU duty is also 10%, while the US imposes a steep 25% tariff. In case you wonder: this is the relic from the 1960s Chicken War between the US and various European countries. Given that light trucks now account for a whopping 70% of all motor vehicle sales in the US, the hypothetical weighted-average tariff for EU motor vehicle exports to the US is 18¼%, compared to a 10% duty for US auto exports to the EU. This 25% ‘Chicken Tax’ explains why a growing number of foreign carmakers produce their SUVs and pickup trucks in the US. It is also the reason why you cannot buy a VW Bus here in the US. And finally, the shielding from foreign competition allows US carmakers to demand larger profit margins on those vehicles. It is thus a main contributor to the annual results of these companies.

In a nutshell: tariffs (as well as non-tariff barriers) on motor vehicles have been beneficial to the US auto industry. If one talks about eliminating duties in this sector, one, of course, needs to incorporate light trucks. And this is exactly what the European Commissioner for Trade proposed last summer, i.e., that the EU is “willing to bring down even our car tariffs to zero, all tariffs to zero if the US does the same.” But back then, President Trump rejected the offer as “not good enough”, adding that European “consumer habits are to buy their cars, not to buy our cars.” After looking at some facts, one can safely say that those ‘habits’ are not driven by tariffs.

Trump’s new tariff math looks a lot like ChatGPT’s

👉 By now we have all figured out that the „Tariffs charged to the US“, which serve as the basis of, or justification for (, or whatever of) Trump’s so-called reciprocal tariffs were calculated as the U.S. trade deficit with that country divided by that country’s exports to the U.S.

👉 What I, and from what I understand most other economist, have thus far not quite been able to grasp is, where this magic formula comes from.

👉 One explanation, however, is as simple as it is disturbing:

💥 Dominic Preston (The Verge) points out (here) „that if you ask ChatGPT, Gemini, Claude, or Grok for an “easy” way to solve trade deficits and put the US on “an even playing field”, they’ll give you a version of this “deficit divided by exports” formula with remarkable consistency.“

👉 Are Trump’s tariffs really based on a recommendation by major AI chatbots? I have to admit that with this administration I cannot dismiss this ridiculous claim simply out of hand.

„Trumpcession“ und Neues aus Problem-Bärlin. Prof. Harm Bandholz über das richtige Investieren: „Wir müssen auch kürzen“

Mein heutiges Interview mit Andreas Groß vom Börsen Radio Network. Unterhalten haben wir uns über

  • Die aktuelle Situation der US-Wirtschaft und die Gefahr einer „Trumpcession“
  • Die Ökonomie von Zöllen
  • Die Arbeitsmarkteffekte der Kettensäge
  • Den jüngsten Selloff an den Finanzmärkten
  • sowie die deutschen Ausgabenpläne

Trumpcession“ und Neues aus Problem-Bärlin. Prof. Harm Bandholz über das richtige Investieren: „Wir müssen auch kürzen

Zölle, Steuersenkungen, Deregulierung. Crazy Clown Time im Weißen Haus? Zu erwarten ist ein Wohlstand für nur ganz wenige. Kommt jetzt die „Trumpcession“? „Aktuell sind die US-Konjunktursorgen weniger groß als man es fühlt“, so Professor Harm Bandholz von der FH Kiel, „aber der heimische Verbraucher bezahlt wegen drohender Zölle die Zeche.“ Musks „Doge-Kettensägenmassaker hat sich noch nicht in den Arbeitsmarktdaten niedergeschlagen. Das US-Wirtschaftswachstum wird sich verlangsamen, die Trump-Politik sorgt für große Unsicherheiten in den Märkten: Donalds Agenda ist noch unklar. Und was spricht das Problem-Bärlin? Rambo Zambo – Last Chance? Verschuldet sich die nächste Regierung sinnvoll? Die klare Agenda fehlt auch hier (z.B. Verteidigungsausgaben für Fortschritte bei der Digitalisierung nutzen). „Wir müssen auch kürzen“, mahnt Bandholz.